Pflanzenschnitt: Wann und wie du Bäume und Sträucher richtig schneidest

Junge Frau mit dunklen langen Haaren und einem karierten Hemd steht lächelnd in einem Garten und hält in den Händen der überkreuzten Armen eine Gartenschere und abgeschnittene Zweige
Damit sich deine Pflanzen von der besten Seite zeigen können, brauchen sie einen regelmäßigen Schnitt. Hier erfährst du alle Tipps & Tricks.

Ob Apfelbaum, Rosenstrauch oder Hortensie - alle Pflanzen benötigen Pflege, damit sie sich von ihrer besten Seite zeigen können und deinen Garten zum Strahlen bringen. Damit auch jedes Jahr alles um die Wette blüht, brauchen deine Pflanzen ab und an einen Schnitt. Aber bitte einen individuellen auf die genauen Bedürfnisse zugeschnittenen - denn Bäume und Sträucher schneiden will gelernt sein. Hier erfährst du warum der Pflanzenschnitt ab sofort auf deine To-do-Liste gehört, worauf es bei den verschiedenen Pflanzenarten ankommt und wie du diese einschneidende Aufgabe ganz locker meistern wirst.

Gartenschere zücken: Warum Pflanzen schneiden sinnvoll ist

Pflanzen wachsen kräftiger, kontrollierter, gesünder und ertragreicher, wenn sie regelmäßig beschnitten werden. Bei Obstgehölz wie beispielsweise Apfel- oder Pflaumenbäume fördert das richtige Schneiden eine reichhaltige Ernte, bei Ziersträuchern wie Hortensien oder Rhododendron steigert es die Blüte. Ein Einkürzen dient der optischen oder begrenzenden Formgebung deiner Pflanzen, durch ein Auslichten verbesserst du die Luftzirkulation und sorgst für ausreichend Licht. Alles gute Gründe zur Schere zu greifen, denn: alle Pflanzen reagieren auf den richtig durchgeführten Schnitt mit kontrolliertem Wachstum und Vitalität.

Eine blonde Frau mit weißem T-Shirt schneidet im Gegenlicht einen Rosenzweig mit der Bosch EasyPrune ab.
Das Schneiden fördert die Gesundheit und das Wachstum deiner Pflanzen und ist ein wichtiger Aspekt der Gartenarbeit.
Tipp
Vorteile des Pflanzenrückschnitts:
  • Pflanzen wachsen gesünder und kontrollierter.
  • Das Wachstum wird gesteuert.
  • Obstgehölze entwickeln gute Ernteerträge.
  • Sträucher und Stauden blühen reichhaltig.

Schnitt à la carte: Jede Pflanze hat andere Bedürfnisse

In deinem Garten steht mindestens ein Baum, du hast ein Kräuterbeet, einen Himbeerstrauch und auch Rosen? Wunderbar. Welcher Schnitt ist aber jetzt für welche Pflanze zu welchem Zeitpunkt angebracht? Darauf gibt es keine universelle Antwort, denn die Schnitte sind so vielfältig wie deine Pflanzen selbst. Ob Obstbäume, Ziergehölz oder Stauden - die Blütenbildung, der Wuchsrhythmus und die Empfindlichkeit entscheiden über Schnittzeitpunkt und Schnittform. Hört sich komplizierter an? Du wirst sehen, mit den passenden Tipps und Tricks ist es erstaunlich einfach, deinen Pflanzen den optimalen Schnitt zu verleihen. Nur Mut!

Tipp
Im Winter ruht die Schere:
  • Zwischen Oktober und Januar werden Pflanzen in der Regel nicht beschnitten.
  • Die Zeit zur Ausheilung reicht nicht.
  • Empfindlichere Pflanzen können bei Frost Schaden nehmen.

Timing ist alles: Wann deine Pflanzen einen neuen Schnitt brauchen

Ideal heißt individuell - mit anderen Worten für jeden Baum oder Strauch gibt es den optimalen Zeitpunkt zum Schneiden. Übergreifend lassen sich aber grob drei bis vier Schnittzeiten eingrenzen, die alle von der Blütenbildung deiner Pflanzen bestimmt werden. In unserem Schnittkalender findest du die gängigsten Bäume und Sträucher aufgelistet und siehst auf einen Blick wann der Pflanzenschnitt nötig ist.

Frühjahrsschnitt

Im Frühjahr werden die Pflanzen geschnitten, die im Sommer blühen. Das sind in der Regel Bäume und Sträucher, die im Sommer Früchte oder Blüten tragen, wie Apfelbäume oder Hibiskus. Ab Mitte Januar, nach der Winterpause, beginnt die Pflanze wieder Wachstumssaft in die Stämme und Äste zu pressen. Ein Schneiden in dieser Phase regt das Wachstum an, leitet die Kraft in die gewünschten Knospen oder entlastet den Baum oder Strauch durch das Entfernen von totem Holz oder unerwünschten Ästen.

Nach der Blüte

Frühjahrsblüher tragen wie der Name vermuten lässt schon im Frühjahr ihre Blüten und haben die Knospen dafür bereits im Vorjahr an den Trieben angelegt. Ein Beispiel ist Flieder - hier ist es besser, erst nach der Blüte zu schneiden, da du sonst ein Großteil der Blütenknospen entfernst und ein Blühen unterbunden wird. Nach dem Blühen ist es ratsam die verwelkten Blüten mit der Gartenschere zu entfernen und je nach Bedarf Zweige einzukürzen. An den neu wachsenden Trieben bilden sich dann die Blütenknospen für das folgende Jahr.

Eine dunkelhaarige Frau in einer blau gemusterten Bluse schneiden einen Zweig Flieder
Flieder ist ein Frühjahrsblüher den du erst nach der Blüte schneidest.

Sommerschnitt

Unter Sommerschnitt versteht man den Schnitt nach der Laubentfaltung. In der Regel umfasst das den Zeitraum von Juni bis Mitte September. Mit diesem Schnitt beruhigst du das Wachstum und förderst die Fruchtgröße. Ein Sommerschnitt eignet sich besonders für empfindliches Gehölz. Denn: Schnittwunden heilen schneller, was den Schutz vor Krankheitserregern erhöht. Das gilt beispielsweise für Birke, Ahorn oder Walnuss, die zum Ausbluten neigen.

Tipp
AUSBLUTEN

Unter Ausbluten versteht man das Austreten des Pflanzensaftes an einer Schnittstelle. In der Regel ist der Baum oder Strauch selbst in der Lage, die Wunde zu verschließen. Bei Pflanzen, die stärker zum "Bluten" neigen, ist ein Sommerschnitt ratsam.

Herbstschnitt

Bei vielen Laubbäumen ist dagegen der Spätherbst ein guter Zeitpunkt, um sie zu beschneiden. Dann befindet sich der Baum in der Ruhephase, er trägt keine Blätter mehr, treibt aber noch nicht neu aus. So bleibt genügend Zeit für den Baumschnitt. Außerdem erkennst du bei lichten Ästen besser, wo gekürzt werden sollte. Achte allerdings darauf, nicht bei frostigen Temperaturen zu schneiden, das könnte den Baum beschädigen.

Schnittkalender

In diesem Schnittkalender haben wir dir die Schnittzeiten für eine Vielzahl an Bäumen, Sträuchern und Stauden aufgelistet.

Eine farbige Kalendergrafik bildet vier Jahreszeiten ab und informiert, wann ein optimaler Zeitpunkt für einen Baum oder Pflanzenschnitt ist.
Mit diesem Kalender hast du zu jeder Jahreszeit im Blick, wann du deine Bäume und Pflanzen idealerweise beschneiden solltest
Tipp
VERMIETER ODER MIETER - WER GREIFT ZUR SCHERE?

Bei Mietobjekten mit Garten kann die Verpflichtung zur Gartenpflege im Mietvertrag auf den Mieter übertragen werden. Dabei geht es allerdings nur um leichte Pflegearbeiten. Aufwendige Arbeiten wie beispielsweise einen Baum fällen oder auch das Bäume schneiden liegen in der Verantwortung des Vermieters oder bedürfen einer gesonderten Absprache.

Optimales Schnittmuster: Formen und Nutzen der verschiedenen Schnitte

Jede deiner Pflanzen ist einzigartig und braucht je nach Art und Alter eine bestimmte Behandlung. Übergreifend ist es wichtig, deine Bäume, Sträucher und Stauden von verwelkten Blüten oder vertrockneten Früchten zu befreien und verletzte oder kranke Zweige zu entfernen. Darüber hinaus lassen sich einige Schnittmuster unterteilen.

Tipp
IMMER OBERHALB EINER KNOSPE

Egal welchen Schnitt du durchführst, versuche immer oberhalb einer nach außen gerichteten Knospe oder eines Auges zu schneiden, so dass keine Zweige und Äste nach innen wachsen. Der Schnitt sollte immer leicht schräg im 45-Grad-Winkel erfolgen.

Pflanzenschnitt

Diese Schnittart wird bei jungen, frisch gepflanzten Bäumen oder Sträuchern angewendet. Dadurch förderst du das Anwachsen der Pflanze sowie die Kronenbildung beziehungsweise die Wuchsform. Bei Bäumen entfernst du dafür Triebe, die mit der Stammverlängerung konkurrieren, und kürzt drei bis vier Leitäste, die der Kronenbildung dienen, ein. Insgesamt schneidest du die Pflanze etwas zurück, damit keine Überlastung entsteht.

Erziehungsschnitt

Dieser Schnitt bringt dein Gehölz in den ersten Jahren in die gewünschte Form. Bei Bäumen definierst du beispielsweise den Haupt- und die Leittriebe weiter und unterstützt so die Entwicklung einer pyramidalen Form der Krone. Seitentriebe werden entfernt. Bei Sträuchern kannst du je nach Wuchs die Bodentriebe etwas auszulichten. Nach innen wachsende Triebe und Konkurrenztriebe entfernst du oder kürzt du ein.

Der Seitentrieb eines Baums wird mit einer langstieligen Gartenschere entfernt
Ungünstig wachsende Seitentriebe entfernst du mit einer Gartenschere

Erhaltungsschnitt

Bereits blühende oder früchtetragende Pflanzen kräftigst du mit einem Erhaltungs- oder Formschnitt und förderst so eine gute Gesundheit. Dafür schneidest du krumme oder überstehende Äste ab und bremst schnellwachsende Äste aus. Bei Ästen oder Zweigen, die sehr steil wachsen, kannst du dir mit dem sogenannten Ableiten behelfen: Dabei schneidest du den ungünstig wachsenden Ast an der Stelle ab, an der ein besser positionierter Seitentrieb wächst. So wächst der flachere Seitentrieb weiter und bildet sich stärker aus.

Verjüngungsschnitt

Geschwächte Zweige, zu ausladende Äste oder vergreiste Bodentriebe entfernst du bei diesem Schnitt gründlich. Ein Auslichten, damit genügend Licht an die verbleibenden Äste und Zweige kommt, ist besonders bei älteren Sträuchern und Bäumen wichtig. Das fördert die Luftzirkulation und stimuliert das Wachstum der Jungtriebe.

Geschwächte Zweige, zu ausladende Äste oder vergreiste Bodentriebe entfernst du bei diesem Schnitt gründlich. Ein Auslichten, damit genügend Licht an die verbleibenden Äste und Zweige kommt, ist besonders bei älteren Sträuchern und Bäumen wichtig. Das fördert die Luftzirkulation und stimuliert das Wachstum der Jungtriebe.

Tipp
GESETZLICHE REGELUNG
Starke Rückschnitte der Bäume oder Sträucher sind nur im Herbst und Winter erlaubt. Laut § 39 des Bundesnaturschutzgesetzes (BNatSchG) sind Radikalschnitte zwischen März und Ende September verboten, schonende Form- und Pflegeschnitte allerdings erlaubt. Das dient dem Schutz der Vögel, die in dieser Zeit brüten.

Die Kunst des Schnitts: Pflanzen schneiden - so geht's

Nachdem du den besten Zeitpunkt für den Beschnitt deines Baums oder deines Strauchs bestimmt hast und du weißt, welcher Schnitt deine Pflanze unterstützt, kann es schon losgehen.

Welches Werkzeug brauche ich?

Wie bei jeder Arbeit ist auch beim Pflanzen schneiden hochwertiges Werkzeug der Schlüssel zum Erfolg. Folgendes Equipment ist sinnvoll:

  • Gartenschere - beim Pflanzenschnitt ist die Gartenschere dein wichtigster Verbündeter. Scharfe Klingen verletzen deine Pflanzen nur geringfügig. Allerdings: Je mehr Kraft du beim Schnitt aufwendest, desto eher quetschst du Zweige oder Pflanzenstängel. Deswegen ist gerade bei dickeren Zweigen eine Akku-Gartenschere wie beispielsweise die EasyPrune von Bosch eine gute Alternative.
  • Astsäge - neben der Gartenschere brauchst du bei Bäumen oder hochgewachsenen Sträuchern eine Säge, da hier auch immer wieder der Schnitt eines größeren Astexemplars anfallen kann.
  • Leiter - für Arbeiten in der Krone von Bäumen oder bei ausladenden Sträuchern ist eine Leiter ratsam. Achte immer auf einen stabilen und sicheren Stand bevor du dich an die Arbeit machst.
  • Gartenhandschuhe - für einen besseren Griff und zum Schutz deiner Hände, ganz besonders beim Rosen schneiden, ist es sinnvoll bei der Gartenarbeit Handschuhe zu tragen.
  • Auffangsack - wohin mit den abgeschnittenen Ästen, Zweigen und Blüten? Dafür bietet sich ein Auffangsack an. Für größeres Schnittgut kannst du einen Häcksler verwenden.

Wie gehe ich vor?

Verschaffe dir zuerst einen Überblick über den Baum oder Strauch, den du schneiden möchtest. So kannst du präziser und geordneter vorgehen. Versuche bei jedem Beschnitt den Charakter des Baumes oder Strauches zu erhalten. Stell dir am besten im Vorfeld folgende Fragen:

  • Wo stehen Äste oder Zweige ab?
  • Gibt es nach innen wachsende Zweige oder Konkurrenztriebe?
  • Wo gibt es abgestorben Blüten, Wildtriebe oder verletzte Zweige?
  • Inwieweit willst du das Gehölz verkleinern?
  • Wie soll es danach aussehen?
Verschieden farbige Hortensiensträucher in einem lichtdurchfluteten Garten
Versuche bei jedem Pflanzenschnitt - egal ob Apfelbaum, Hortensie oder Rose - den Charakter der Pflanze zu bewahren.

Was schneide ich ab?

Für einen gesunden und schönen Wuchs solltest du generell abgestorbene Äste oder nach innen gerichtete Zweige abschneiden. Außerdem entfernst du beim Baumbeschnitt Wasserschosser und bei Sträuchern Wildtriebe. Wasserschosser wachsen senkrecht ohne Verästelung nach oben und sind deshalb leicht zu erkennen. Wildtriebe sind Äste, die unterhalb der Veredelungsstelle von beispielsweise Rosensträuchern wachsen. Über ein Einkürzen und Auslichten förderst du den Wuchs der darunterliegenden Knospen oder Zweige.

Wie schneide ich die Äste oder Zweige richtig ab?

Schneide Äste immer an der Stelle direkt über einem Astring. Dort zweigt der Ast vom Baumstamm ab, die Stelle ist meist etwas dicker als der restliche Ast. Versuche bei Trieben mit Knospen immer oberhalb einer nach außen gerichteten Knospe zu schneiden. So vermeidest du, dass neue Triebe nach innen wachsen. Führe den Schnitt möglichst glatt, in einem 45-Grad-Winkel schräg nach unten, aus. Bei schweren Ästen kommt deine Säge zum Einsatz: säge zuerst eine Kerbe in die Unterseite, danach erfolgt der Schnitt von oben. So verhinderst du ein Einreißen und Ausfransen der Rinde und beugst das Eindringen von Krankheitserregern vor.

Gelb behandschuhte Hände halten eine Säge über der Schnittstelle an einem dickeren Zweig.
Schneide Äste immer direkt über einem Astring, diese Stelle ist meist etwas dicker als der restliche Ast.

Was mache ich mit dem Pflanzenschnitt?

Die abgetrennten Äste, Zweige und Blüten kannst du mit einem Häcksler zerkleinern und dann in der Biotonne oder auf dem Komposthaufen entsorgen. Beim Baumbeschnitt oder großen Sträuchern ist eine Schubkarre hilfreich beim Transport.