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Bambus-Terrassendielen – nachhaltiges Material oder Hype?

Braune Bambus-Terrassendielen werden verlegt
Terrassendielen aus Bambus erzielen einen warmen holzähnlichen Effekt, doch was musst du beachten?

Einleitung

Bambus ist ein faszinierender Werkstoff und in letzter Zeit zunehmend gefragt. Es existieren mehr als 1.400 Bambussorten, die sich je nach ihren Eigenschaften für unterschiedliche Anwendungen eignen – unter anderem für Terrassenbeläge. So kann Bambus zum Beispiel bei der Gestaltung einer Dachterrasse ein echter Gewinn sein. Und auch, wenn du dir eine Holzterrasse selber bauen willst, kannst du in Erwägung ziehen, ob Bambus-Terrassendielen der richtige Belag für dein Projekt sein könnten.

Manchen gilt Bambus als „das Nutzholz des 22. Jahrhunderts“, das einen entscheidenden Beitrag zur Vermeidung der Abholzung von Regenwäldern leisten kann. Inzwischen gibt es alles Mögliche aus Bambus: von Zahnbürsten bis hin zu Fahrradrahmen.

Bambus ist in einem Band um den Äquator herum heimisch, es wächst am besten im tropischen Klima. Hauptexportland ist heute China, aber auch in Lateinamerika und Subsahara-Afrika gibt es wichtige Anbaugebiete, zum Beispiel in Äthiopien.

Wie sieht es nun im Detail mit der Eignung von Bambusdielen für den Terrassenbau aus?

Wissenswertes zu Bambus und Bambus-Terrassendielen

Als Baumaterial für Terrassen ist Bambus ein relativ neuer Werkstoff. Die erste Generation der Terrassendielen aus Bambus war in puncto Haltbarkeit noch mangelhaft. Die Hersteller mussten zuerst eine gewisse Lernkurve durchlaufen.

Dieses negativ gefärbte Image haftet Bambusdielen bisweilen heute noch an, allerdings zu Unrecht. Die letzten Jahre haben entscheidende Fortschritte in den Fertigungsmethoden gebracht, sodass Terrassendielen aus Bambus den gängigen Belägen heute prinzipiell in nichts nachstehen. Es gibt sogar Bereiche, in denen Bambus anderen Materialien überlegen ist.

Welche Vorteile hat Bambus?

Ein großes Plus sind die Nachhaltigkeitsmerkmale, allen voran die enorme Verfügbarkeit. Bambus ist genau genommen kein Holz, sondern wird zu den Gräsern gezählt. Man könnte sogar sagen, es wächst wie Unkraut – manche Arten bis zu 100 cm innerhalb von nur 24 Stunden.

Dabei kommt der Anbau auf Plantagen im Wesentlichen ohne Dünger beziehungsweise Pestizide oder Herbizide aus. Durch das schnelle Wachstum absorbiert Bambus, verglichen mit tropischen Harthölzern oder auch mit europäischen Holzarten, außerdem ein Vielfaches an klimaschädlichem CO2.

Der Moso-Bambus ist die wirtschaftlich wichtigste Sorte. Dieser chinesische Holzbambus trägt den wissenschaftlichen Namen Phyllostachys edulis. Der gebräuchliche Name Moso leitet sich vom chinesischen mao zhu ab, was haariger Bambus bedeutet und auf die behaarten Halmscheiden hinweist.

Phyllostachys edulis ist in Südchina und Taiwan beheimatet und gedeiht in den wärmeren, subtropischen Klimazonen. In diesen Regionen kann die Pflanze ihr volles Potenzial ausschöpfen und bis in beeindruckende Höhen von 30 Metern wachsen!

Die Mitglieder der Gattung Phyllostachys sind Laufbambusse, das heißt, sie vermehren sich mit Hilfe von Rhizomwurzeln. Aus diesem komplexen unterirdischen Wurzelsystem schießen in der Vegetationsperiode neue Halme aus dem Boden, die schnell zu ihrer vollen Höhe heranwachsen.

Das Bambusernten ist deshalb ein bisschen wie das Pilzesammeln: Wie bei Pilzen tötet man nicht die ganze Pflanze, sondern entnimmt nur einen Trieb. Die Wurzeln verbleiben im Boden und bilden immer neue Triebe. Wer wegen dieser regen Ausbreitung mal versucht hat, ein Bambusgewächs im Garten loszuwerden, weiß, wie schwer das ist.

Tipp
Nachhaltigkeit und DIY
Dir liegt das Thema Nachhaltigkeit am Herzen? Dann könnten unsere Upcycling-Ideen für den DIY-Bereich von Interesse sein. Darunter findest du vor allem Tipps für die Wiederverwendung alter Möbel oder Materialien. Du kannst z. B. einen Schaukelstuhl aus Autoreifen bauen, eine DIY-Garderobe aus ausgedienten Leitern herstellen oder einen Waschtisch aus einer alten Truhe bauen. Sieh dir auch unseren Artikel zum nachhaltigen Einrichten an.

Hat Bambus auch Nachteile?

Die Ökobilanz ist auch bei Bambus nicht ungetrübt. Ein Problem, das auftrat, als der Werkstoff Bambus immer beliebter wurde, war die Abholzung einheimischer Wälder in China für den kommerziellen Bambusanbau. Das hat zur Zerstörung des natürlichen Lebensraums von Wildtieren und zu Bodenerosion geführt und relativiert die ökologischen Vorteile von Bambus. Daher ist es wichtig, nur Terrassendielen aus zertifiziertem Bambus zu verwenden.

Eigenschaften von Bambus-Terrassendielen

Neben Nachhaltigkeitsaspekten spielen z. B. Haltbarkeit, Gewicht, Preis und Farbe eine wichtige Rolle bei der Entscheidung, welches Material du für dein DIY-Terrassenbauprojekt verwendest.

Wie werden Bambus-Terrassendielen hergestellt?

Zuerst solltest du dir klarmachen, dass es sich bei Bambusdielen um einen Verbundwerkstoff handelt. Schließlich müssen aus dem von Natur aus runden und innen hohlen Bambusstamm flache Bretter hergestellt werden. Dafür gibt es zwei Methoden: Stabverleimung und Faserverpressung.

Am Anfang der Bambusverarbeitung steht in aller Regel eine thermische Behandlung, ganz ähnlich wie bei Thermoholz. Durch heißen Dampf wird die Anordnung der Zellulose in den Lamellen verändert, in der Fachsprache heißt das Karbonisierung.

Dadurch wird zweierlei erreicht: Erstens werden die Bambuslamellen resistenter gegen Insekten (die den Zucker im Bambus mögen) und gegen Pilzbefall. Zweitens erhält der eigentlich gelbliche Bambus die gewünschte edle Dunkelfärbung.

In beiden Fällen, also bei Verleimung und Verpressung, wird der zylindrische Stamm zuerst mit Spezialwerkzeugen in gleichmäßig geformte Lamellen aufgespalten. Bei der Stabverleimung werden diese Rohlamellen dann in horizontaler oder vertikaler Richtung miteinander verleimt.

Die Integrität des Brettes hängt also wesentlich von dem verwendeten Klebstoff und der Qualität der sonstigen Verarbeitung ab. Deshalb solltest du so genau wie möglich darauf achten, was du kaufst.

Die aktuell dominierende Methode in der Herstellung von Bambusdielen ist die Faserverpressung, manchmal auch als modified bamboo beworben. Kennst du HDF-Platten? Modified Bamboo kannst du dir so ähnlich vorstellen.

Bei dem Prozess werden die Bambus-Lamellen nach der Karbonisierung in Phenolharz als Bindemittel getränkt (der Harzanteil beträgt üblicherweise zwischen 10 und 30 Prozent) und dann aufgefasert. Schließlich wird alles unter hohem Druck zu Platten oder Balken gepresst, aus denen sich zum Schluss die Bretter sägen lassen.

Diese kurze Einführung in die Herstellung von Bambus-Terrassendielen hilft dir zu verstehen, dass jedes Brett entweder aus langen Lamellen oder kleinen Fasern besteht, die durch eine Mischung aus chemischen Klebstoffen und Leimen zusammengehalten wird.

Was ist BPC – Bambus Polymer Composite?

Es gibt noch einen dritten Bambus-Werkstoff: BPC, also Bambus Polymer Composite. Dabei handelt es sich um einen Kunststoff-Bambus-Verbund, analog zum bekannten WPC (Wood Polymer Composite), nur, dass hier Bambus an die Stelle von Holz tritt.

Die Meinungen über BPC gehen auseinander. Sicherlich leidet der Nachhaltigkeitsaspekt, denn bei der Herstellung von Bambusdielen aus BPC ist Chemie in Form von Plastik und Bindemitteln erforderlich. Aber das gilt natürlich auch für WPC.

Angeblich lässt auch die Haltbarkeit von BPC-Dielen zu wünschen übrig. Dem gegenüber steht allerdings, dass im Handel sowohl reine Bambusdielen als auch solche aus BPC erhältlich sind, die beide mit der höchsten Dauerhaftigkeitsklasse von 1 zertifiziert sind. Das bedeutet, dass diese Materialien eine hervorragende Widerstandsfähigkeit gegen Schädlinge oder Verrotten besitzen. Du kannst daher im Schnitt mit einer Lebensdauer von beachtlichen 25 Jahren rechnen.

Als Fazit zum Vergleich WPC-BPC kann man sagen, dass es einen gewissen Konkurrenzkampf im Markt zu geben scheint und daher Aussagen auf beiden Seiten mit etwas Vorsicht zu genießen sind. Aber die Erkenntnis, dass BPC-Dielen mindestens so haltbar sind wie WPC, scheint sich langsam durchzusetzen.

Sowohl für BPC wie für reine Bambusdielen spricht übrigens, dass sie auch für nackte Kinderfüße ausgesprochen angenehm sind. Bambus ist splitterfrei und heizt sich bei direkter Sonneneinstrahlung nicht zu stark auf. Ein weiterer angenehmer Nebeneffekt ist das vergleichsweise geringe Eigengewicht von Terrassendielen aus Bambus.

Tipp
Was kann ich noch aus Bambus machen?
Du kannst dir beispielsweise ein Bettkopfteil aus Bambus selber bauen, aber auch im Garten ist Bambus ein beliebtes Material, z. B., um ein Insektenhotel zu bauen.

Verarbeitung und Pflege von Bambus-Terrassendielen

Einer der Hauptvorteile von Terrassendielen aus Bambus stellt bei der Verarbeitung gleichzeitig einen gewissen Nachteil dar: die beachtliche Härte des Materials. Ein natürliches Bambusrohr splitterfrei zu sägen, kann zur echten Herausforderung werden.

Bei Bambus- bzw. BPC-Dielen solltest du nur maschinell mit einem sehr scharfen Sägeblatt arbeiten. Ideal ist dafür eine Kappsäge, aber auch mit der Handkreissäge mit Führungsschiene oder mit der Stichsäge kommst du ans Ziel. Unsere Video-Tutorials für Sägen helfen bei der Auswahl und Handhabung des richtigen Geräts. In unserem DIY-Wissensbereich greifen wir auch sehr spezielle Themen auf, z. B. erläutern wir dir, wie ein gerader Schnitt mit der Stichsäge gelingt.

Weil Bambus so hart ist, empfiehlt es sich, die Terrassendielen nicht mit der Unterkonstruktion zu verschrauben, sondern ein Klick-System zu verwenden. So gut wie alle angebotenen Bambusdielen haben Nut und Feder, auch an den Seitenenden. Indem du Clips statt Schrauben nutzt, vermeidest du außerdem Löcher in der Diele, durch die Feuchtigkeit eindringen kann.

Wenn deine Terrassendielen zwei Jahrzehnte halten, sollte natürlich auch die Konstruktion, auf der sie aufliegen, auf eine lange Haltbarkeit ausgelegt sein. Optimiere also auch in diesem Punkt, wo es nur geht: Klick-Systeme mit Aluprofilen als Dielenauflage und mit höhenverstellbaren Stellfüßen aus Kunststoff sorgen nicht nur für Langlebigkeit, sondern erleichtern auch die Montage deiner Bambus-Terrassendielen. Unter anderem kannst du mit höhenverstellbaren Füßen leichter das notwendige Gefälle vom Haus weg umsetzen.

Bambus-Terrassendielen: schematische Darstellung eines möglichen Unterbaus für Terrassendielen aus Bambus
So sieht die ideale Unterkonstruktion für Terrassendielen aus Bambus oder BPC aus.
Tipp
Eine Überlegung wert: bombierte Terrassendielen aus Bambus

Bombierte Dielen weisen im Querschnitt eine leicht konvexe Wölbung auf. Sie sind also in der Mitte minimal dicker als an den Rändern. Der Vorteil: Wasser läuft von selbst seitlich ab, auch ohne Gefälle der Diele. Dabei ist die Wölbung so gering, dass sie weder optisch noch beim Begehen der Terrasse auffällt.

Falls du dir eine Bambusterrasse bauen möchtest, solltest du daran denken, dass auch Bambusdielen Pflege brauchen. Öle sie ein- bis zweimal pro Jahr ein, sonst vergrauen sie, und auch die typische holzähnliche Struktur wird sich verlieren. Gutes Öl enthält einen UV-Schutz und wirkt außerdem wasserabweisend.

Wichtig ist, die Bambus-Terrassendielen vor dem Ölen gut zu reinigen. Idealerweise machst du das zusammen mit deinem jährlichen Frühjahrsputz für draußen. Einfach mit lauwarmem Wasser abschrubben genügt. Du erleichterst dir die Arbeit, wenn du einen speziellen Terrassenreiniger benutzt. Danach trägst du das Öl mit einem breiten Pinsel auf.

Bambusdielen aus BPC haben den Vorteil, dass das Einölen nicht notwendig ist. Aber sie sollten ebenfalls regelmäßig gesäubert werden, damit sich kein Moos oder Algen festsetzen, die unschön aussehen und außerdem die Rutschgefahr erhöhen. Schon geschehen? Dann sieh dir an, wie du Moos effektiv entfernen kannst.

Bei den meisten Terrassendielen aus Bambus sind übrigens sowohl Unter- als auch Oberseite Sichtseiten. Eine ist geriffelt, die andere Seite glatt. Wenn man die Optik mag, hat es auch weitere Vorteile, die glatte Seite nach oben zu legen: Wasser läuft besser ab (vor allem bei bombierten Dielen), und es kann sich weniger Schmutz verfangen.

Überleg doch mal, eine Terrassenüberdachung selber zu bauen. Mit einem Dach kannst du die Terrasse auch an verregneten Sommertagen nutzen, und es schützt deine Bambusdielen vor Wind, Wetter und Schmutz.

Sollte es dennoch mal notwendig sein (z. B. bei Brandspuren vom Grillen), kann man Bambusdielen grundsätzlich auch abschleifen. Allerdings solltest du ein Schleifgerät wählen, dass nicht zu viel von dem Material abträgt. Geh dabei so vor, als würdest du Holzdielen abschleifen. Sieh dir unsere Video-Tutorials für Schleifgeräte und unseren großen Schleif-Guide an, wenn du Hilfe bei der Auswahl des richtigen Geräts brauchst.

Liegt bei deiner Terrasse die geriffelte Seite oben, ist die Situation eine andere. Dann kann sich das Reinigen mit speziellen Bürsten, die eine schleifähnliche Wirkung haben, anbieten.

Tipp
Terrassenmöbel selber bauen
Die Terrasse ist fertig, du brauchst aber noch Möbel? Dann sieh dir an, wie du einen günstigen, aber stylischen Stuhl für deine Terrasse selber bauen, eine DIY-Gartenliege herstellen oder eine Pergola selber bauen kannst. Wir halten noch jede Menge weitere Tipps und Anleitungen für Garten, Balkon und Terrasse bereit!

Kosten von Bambus-Terrassendielen

Was darf Terrassenholz aus Bambus kosten? Auch bei Bambusdielen kann die alte Weisheit zutreffen: Wer billig kauft, kauft zweimal. Entscheidend für die Verwendung im Außenbereich ist die Haltbarkeit.

Die Tabelle unten zeigt, dass es sowohl bei Bambus- als auch bei BPC-Dielen eine nicht unerhebliche Preisspanne gibt. Du solltest also vor dem Kauf herausfinden, wo der Unterschied zwischen den einzelnen Angeboten liegt, und eventuell nicht zum günstigsten greifen.

Da Bambus-Terrassendielen in unterschiedlichen Maßen erhältlich sind, vergleicht die Tabelle den Preis pro Quadratmeter und schließt zur besseren Orientierung noch den Vergleich mit einem tropischen Hartholz (Bangkirai), einem heimischen Holz (schwedische Lärche) und WPC mit ein.

Typische Maße sind:

  • Bambusdielen: Bambusdielen sind meistens in einer Länge von 185 cm, seltener auch 200 oder 220 cm, erhältlich, in einer Stärke zwischen 1,5 und 2 cm. Aber es gibt auch Bretter, die 42 mm dick sind. Die Breiten variieren (zum Beispiel 137, 140, 155, 178, 290 mm).
  • BPC-Dielen: BPC-Dielen sind häufig in einer Länge von 300 oder 400 cm erhältlich, was natürlich die Verlegung vereinfachen kann.
Bambus Bangkirai Lärche BPC-Diele WPC-Diele
Brutto in EUR pro m2 66–99 75 37 57-107 34–102

 

Es kommt natürlich auch darauf an, welche Materialien du für die Unterkonstruktion deiner Bambusterrasse verwendest. Im Schnitt kannst du dafür mit Kosten von ca. 10–15 EUR/m2 rechnen. Es gibt auch Komplettbausätze zu kaufen, die neben den Bambusdielen auch alles Notwendige für die Unterkonstruktion enthalten. Solche Bausätze bekommst du im Handel ab etwa 85 EUR/m2.