Pflanzen selber ziehen und vermehren

Pflanzen selber ziehen und vermehren
Mach mehr aus deinen Pflanzen! Um dein Gemüse, Obst, geliebte Stauden oder andere Pflanzen zu vermehren, brauchst du nicht viel, außer Erde, ein paar Töpfen, Wasser und Geduld. Das lohnt sich, denn selber zu ziehen ist nachhaltig, schont deinen Geldbeutel und macht außerdem noch richtig viel Spaß.
Es gibt nicht die eine Methode für die Vermehrung von Pflanzen, sondern je nach Gewächs unterschiedliche Möglichkeiten, aus bereits vorhanden Pflanzen neue zu ziehen. Wir stellen dir hier die verschiedenen Vermehrungsarten vor, die jeweiligen Vorteile und für welche Pflanze sie sich eignen.
Vermehrung mit Samen
Von Karotten über Tomaten, Dill und Gurken bis hin zu Sonnenblumen, Ringelblumen und Kosmeen lassen sich viele Pflanzen aus Samen vermehren. Vor allem für einjährig wachsendes Gemüse und Sommerblumen ist das die beste Vermehrungsmethode.
Sind die Samen in den Früchten, werden sie vorsichtig entnommen, anhaftendes Fruchtfleisch entfernt und auf einem Küchentuch an einem warmen, trockenen Platz getrocknet. Du kannst die Samen in kleinen Tütchen bis zur Aussaat aufheben. Zu lange darfst du aber nicht warten, spätestens nach zwei Jahren sollten sie wieder ausgesät werden. Die Keimkraft der Samen lässt nämlich mit der Zeit nach, die Pflanzen gehen nicht mehr auf und deine Mühe mit der Samengewinnung war umsonst.

Entwickeln sich die Samen aus der Blüte heraus, ohne von Fruchtfleisch umgeben zu sein, wie bei Ringelblumen, Sonnenblumen und Dill, dann schneidest du die Blütenköpfe kurz vor bzw. zu Beginn der Samenreife an möglichst langen Stielen ab, zum Beispiel mit der EasyPrune von Bosch. Die Stiele werden verkehrt herum an einem trockenen, warmen und luftigen Platz aufgehängt, bis sie völlig trocken sind und in sauberen Tütchen oder Dosen verwahrt werden.
| „Bis zum nächsten Jahr weiß und erkenne ich noch, welche Sorte in welcher Tüte ist“ – das denken viele Gärtner und werden eines Besseren belehrt. Damit du nicht vergisst, in welchem Tütchen sich welche Sorte befindet, schreibst du Name der Pflanze, Sorte und Abpackdatum drauf. Bei Blumen lohnt es sich, noch Höhe, Blütenfarbe und Blühzeitraum zu notieren. |
Säst du die Samen einer Pflanze aus, spricht man von generativer Vermehrung. Samen werden nämlich nach einer Befruchtung gebildet, die daraus wachsenden Pflanzen haben das Erbgut zweier Elternpflanzen in sich. Im Handel findest du oft so genannte F1-Hybride, hoch gezüchtetes Samengut, das reichen Ertrag und andere tolle Eigenschaften mit sich bringt. Allerdings nur im ersten Jahr, die Samen aus diesen Pflanzen keimen oft nicht oder liefern ein weitaus weniger gutes Ergebnis. Denn die guten Eigenschaften spalten sich in der nächsten Generation wieder auf.
| Gemüsesorten aus biologischer Züchtung und alte Sorten sind dagegen samenfest oder auch sortenfest genannt. Aus den Samen dieser Pflanzen wachsen neue mit ähnlicher Gestalt und Eigenschaften wie die Elternpflanze. |
Vermehrung durch Pflanzenteile
Die Vermehrung durch Stecklinge und Absenker oder Teilung fällt unter den Begriff vegetative Vermehrung. Schneidest du von deiner Geranie einen Trieb ab, lässt ihn wurzeln und wachsen, bis er zu einer neuen Pflanze wird, sieht sie genauso aus wie die Mutterpflanze. Dasselbe gilt, wenn du deinen Schnittlauch teilst. Du erhältst zwei identische Pflanzen. Kein Wunder, es ist ja auch kein neues Erbgut dazugekommen.

| Schaffst du die richtigen Bedingungen, z.B. feuchte Erde, warmer Platz viel Licht, wird die Pflanzenanzucht gelingen. Ein Gewächshaus bietet die besten Voraussetzungen dafür. Wie du ein Gewächsahaus selber bauen kannst, erfährst du hier. |
1. Neue Pflanzen aus Blättern und Trieben
Das geht schnell und ist (fast) immer von Erfolg gekrönt: Pflanzen aus Stecklingen zu ziehen, ist wirklich einfach. Werden die Triebspitzen mit einem Stück vom Stängel und ein paar Blättern abgeschnitten, spricht man von Kopfstecklingen. Das funktioniert gut z.B. bei Buntnesseln, Rosmarin, Himbeeren und Basilikum.
Eine andere Möglichkeit besteht darin, Blätter zur Vermehrung zu verwenden. Sukkulente Pflanzen mit dickfleischigen Blättern lassen sich so gut vermehren. Die Blätter lässt man ein paar Tage trocknen und legt sie dann auf Kakteenerde. Nur ganz wenig gießen, damit die Stecklinge nicht schimmeln. Bei Begonien werden die Blätter in Stücke zerschnitten, die man in feuchte Anzuchterde steckt.

2. Teilung von Wurzelballen
Der Trick bei Stauden ist genauso einfach wie genial: In die Jahre gekommene, gut gewachsene Stauden kannst du im Herbst ausgraben und mit einem sauberen scharfen Spaten teilen. So bekommst du neue Pflanzen und verjüngst dabei die Mutterpflanze, sie wird wieder üppiger wachsen. Das klappt prima bei Rhabarber, Funkien (Hosta), Sonnenhut (Rudbeckia) und Frauenmantel (Alchemilla). Der beste Zeitpunkt für eine Teilung ist der Herbst. Jetzt ist es nicht mehr so warm, die Bodenfeuchtigkeit ist meistens höher und die Pflanzen haben genug Zeit zum Einwurzeln. Regelmäßiges Gießen darfst du aber trotzdem nicht vergessen, wenn es im Herbst und Winter mal trocken ist. Um einer Bodenmüdigkeit vorzubeugen, setzt du die Pflanzen an einen anderen Platz im Garten. Bodenmüdigkeit entsteht, wenn eine Pflanze sehr lange an ein und demselben Platz steht und dem Boden nur die Nährstoffe entzieht, die sie benötigt.

3. Teilung von Knollen oder Rhizomen
Kartoffeln, Dahlien und andere knollenbildende Pflanzen kannst du direkt über ihre Wurzeln, in dem Fall über die Knollen vermehren. Um das Wurzelwachstum anzuregen, schneidest du die Knollen mit einem sauberen Messer in der Mitte durch, bei größeren Knollen kannst du sie auch in 2 bis 3 Scheiben schneiden. Diese Stücke steckst du direkt wieder in die Erde – dabei helfen dir z.B. die praktischen Gartenhandwerkzeuge von Bosch wie die Pflanzkelle oder der Handrechen.
Iris, Buschwindröschen und Calla bilden sogenannte Rhizome. Die sehen aus wie verdickte Stängel, die meistens dicht unter der Erdoberfläche wachsen. Grabe die Rhizome vorsichtig mit einem Spaten aus und teile sie immer an der dünnsten Stelle. Die Rhizomstücke pflanzt du dann genauso tief wieder ein, wie sie zuvor gelegen waren.

4. Absenker
Himbeeren, Brombeeren, Clematis, Hartriegel (Cornus) bilden lange Triebe, sogenannte Absenker. Berühren sie die Erde musst du gar nichts machen. Die Absenker bewurzeln sich selbst, neue Pflanzen entstehen, die du ausgraben, von der Mutterpflanze abtrennen und neu verpflanzen kannst. Damit die Triebe auf dem Boden liegen bleiben, kannst du sie z.B. mit etwas Erde auf den Boden drücken, sie werden schnell Wurzeln schlagen. Auch Erdbeeren bilden Bodentriebe und können nach diesem Prinzip vermehrt werden.

5. Regrowing
In der Küche entsteht so einiges an organischen Abfällen: Zwiebeln bleiben liegen und treiben aus, der Salat- oder Lauchstrunk wird abgeschnitten und landet im Biomüll. Wusstest du, dass du diese Gemüsereste wachsen lassen kannst? Das nennt sich Regrowing. Wie das geht, erklären wir dir hier. Etwas mehr Zeit dauert es, wenn du Ananas, Oliven oder Avocado selber ziehen möchtest.

Was du nicht als Ableger und zum Regrowing verwenden kannst oder möchtest, muss trotzdem nicht auf dem Müll landen, sondern du kannst daraus wertvollen Kompost machen. Wir erklären dir, wie Kompostierung funktioniert und wie du einen eigenen Kompost baust. Hast du nur wenig Platz, sind die Wurmkiste und der Bokashi-Eimer praktische Alternativen, die auch auf Terrasse oder Balkon passen.
Möchtest du mehr darüber wissen, wann welche Gartenarbeiten anfallen, erfährst du in unserem Gartenkalender, den richtigen Zeitpunkt für alle wichtigen Tätigkeiten.
