Wand bepflanzen: Hol dir die Natur nach Hause

Die Front eines Holzhauses ist komplett mit Efeu bewachsen.
Wandbegrünung, Pflanzenwand oder Wandgarten: Je nach Platz, Geschmack und Wohnsituation hast du viele Optionen.

Wohlfühlatmosphäre und ein gesünderes Klima: Das sind nur zwei der vielen Vorteile, die eine bepflanzte Wand mit sich bringt. Obendrein ist sie natürlich in jeder Form ein absoluter Eyecatcher.
Je nach Wohnsituation und Geschmack hast du verschiedene Optionen, mehr Grün an deine Wände zu bekommen: Bei einer Wandbegrünung sprechen wir von der Bepflanzung einer kompletten Wand durch Kletterpflanzen. Möchtest du hingegen nur einzelne Teile der Wand in einer bestimmten Form mit Grün bedecken, wäre eine Pflanzenwand für dich interessant. Als dritte Option gibt es noch den sogenannten Wandgarten. Dabei werden einzelne Pflanzen vertikal an der Wand angebracht.

Viel Grün und viele Möglichkeiten: Wir zeigen dir, wo genau die Vor- und Nachteile liegen und was es jeweils zu beachten gibt, um ein Stück Natur ganz einfach nach Hause zu holen.

Wandbegrünung

Die Front eines Holzhauses ist komplett mit Efeu bewachsen.
An einer Wand ranken sich Zweige und grüne Blätter von Wildem Wein.

Bei der Wandbegrünung ist oft von der sogenannten Fassadenbegrünung die Rede. Ob das ganze Haus oder auch nur die Gartenscheune – hier zeigen sich die Gebäude meistens komplett im grünen Gewand.

Eine bepflanzte Häuserfront ist natürlich Geschmackssache, bietet aber einen tollen Charme und bringt viele Vorteile mit sich: Die dichten Blätter schützen das Haus im Sommer vor Wärme und sorgen als natürliche Klimaanlage für angenehmere Temperaturen und eine besser Luft. Im Winter funktioniert die Begrünung wiederum als Wärmedämmung. Zusätzlich schlucken die vielen Blätter Lärm und binden Schadstoffe.
Auch für den Naturschutz sind begrünte Häuser durchaus positiv: Sie bieten vielen Tieren Unterschlupf und wachsende Beeren sind bei Vögeln äußerst beliebt. Natürlich machen es sich auch ein paar Insekten dort gemütlich. Aber keine Sorge: Beobachtungen zufolge gibt es in unbegrünten Häusern genauso viele Spinnen.

Doch welche Pflanzenarten eignen sich eigentlich für eine Wandbegrünung und was gibt es jeweils zu beachten? Allgemein brauchst du sogenannte Selbstklimmer, wie beispielsweise Efeu. Diese Kletterpflanze ist das ganze Jahr über grün und sorgt für eine lückenlose, grüne Fassade (Bild 1). Und das sogar recht schnell und lange: Efeu kann bis zu 20 Meter hoch wachsen und Jahrhunderte lang leben. Für das Anpflanzen an einer Häuserwand benötigst du auch nur eine einzige Pflanze, der beste Monat dafür ist der April. Zu Beginn lohnt es sich, den jungen Efeu noch regelmäßig zu gießen und etwas zu düngen. Sobald er nach wenigen Jahren aber stark anfängt zu wachsen, bildet er tiefe Wurzeln und versorgt sich darüber selbst.
Allerdings solltest du Efeu nur einpflanzen, wenn deine Hauswand entsprechend massiv und in gutem Zustand ist. Bei Mietshäusern also unbedingt vorher mit dem Vermieter sprechen. Efeu versucht gerne in feuchte Ritzen einzudringen und kann dabei im schlechtesten Falle sogar den Putz aufbrechen. Außerdem sollte die Pflanze regelmäßig zurückgeschnitten werden – Fenster, Regenrinnen, Ziegel oder Lüftungen müssen kontrolliert und freigehalten werden. Aufgrund des schnellen Wachstums der Pflanze kannst du hier ruhig großzügig vorgehen. Achte unbedingt darauf, dass der Efeu sich nicht auf das Nachbarhaus ausbreitet. Der Kletterer kann nur extrem schwer rückstandslos entfernt werden.

Ein weiterer Klassiker für eine lückenlose Fassadenbegrünung ist der Wilde Wein (Bild 2). Im Sommer schön grün und im Herbst bringt er deine Wand mit beeindruckenden Rot- und Orange-Tönen zum Leuchten – vor allem, wenn deine Fassade viel Sonne abbekommt. Im Winter ist er allerdings unbelaubt.
Die beste Zeit zum Einpflanzen ist der Frühling nach den Eisheiligen oder der Frühherbst. Dabei sollte der Boden vor der Hauswand entweder mit Hornspänen oder Kompost angereichert werden, da diese Stellen sonst oft zu nährstoffarm sind. Je nach Größe der Fassade lohnt es sich, mehrere Pflanzen im Abstand von etwa vier Metern zu setzen. Am Anfang sollte der frisch eingepflanzte Wilde Wein regelmäßig und kräftig gegossen werden, damit er schnell wächst. Eine Rankhilfe ist dabei nicht nötig.
Sobald die Pflanze ein Stück gewachsen ist, schneidest du ihn am besten ein Stück zurück, damit sich der Kletterstrauch gut verzweigen kann. Ansonsten ist Wilder Wein sehr pflegeleicht. Allerdings muss er wie Efeu regelmäßig zurückgeschnitten werden, um Fenstern, Rinnen und Co. freizuhalten. Denn auch dieser Kletterer kann sich rasant ausbreiten und ist nur schwer wieder zu entfernen.

Neben den beiden wohl bekanntesten Pflanzen zur Wandbegrünung gibt es aber auch noch weitere Alternativen: So wächst die Kletter-Hortensie am liebsten im Halbschatten bis zu 6 Meter hoch und schmückst sich mit schön anzusehenden Blüten.
Der Blauregen fühlt sich an sonnigen Wänden wohler und zählt zu einer der stärkeren Schlingpflanzen, die auch bis zu 20 Meter in die Höhe wachsen kann.

Pflanzenwand

An einer weißen Wand hängt eine Pflanzenwand in Form eines Fensterrahmens.
An einer Backsteinwand hängen zwei Holzrahmen, in denen verschiedene Pflanzen eingepflanzt sind.
Ein Sichtschutz aus weißen Paletten steht mit Blumen bepflanzt im Garten.

Anders als bei einer Wand- oder Fassadenbegrünung, schränkst du bei einer Pflanzenwand den begrünten Bereich ein und kannst sogar die genaue Form vorgeben. Vor allem wenn auf Balkon oder Terrasse nicht so viel Platz ist, sind Pflanzenwände eine super Alternative zu Töpfen und Co: Statt auf dem Boden verlagerst du die grüne Pracht einfach an die Wand. Das ist gut für das Klima, verbessert die Akustik und sieht auf jeden Fall modern und cool aus.

Wer Pflanzen an der Wand befestigen möchte, muss allerdings ein paar Dinge beachten. Denn hier kommen keine Selbstklimmer zum Einsatz, die sich selbst festwurzeln und ihren Weg bahnen. Bei der Pflanzenwand benötigst du gewisse Vorrichtungen, in denen die Gewächse halt finden.

Zunächst einmal ist es wichtig zu wissen, welche Pflanzen sich überhaupt für eine vertikale Lage eignen. Die Bedingungen sind hier nämlich recht streng: Die ausgewählten Gewächse sollten mit wenig Wasser auskommen, wärmebeständig sein, mit direktem Licht auskommen und nicht zu schnell und wild wachsen. Diese Anforderungen schränken das Feld natürlich stark ein. Als optimal haben sich daher Moos, Sukkulenten, Farne, Einblatt, Efeutute, Flamingoblume oder die Buntnessel erwiesen. Aber auch manche Kräuter können vertikal eingepflanzt werden, wenn sie den genannten Bedingungen standhalten.

Du hast dich für ein oder mehrere Gewächse entschieden? Dann stellt sich die Frage, wie die Pflanzen an die Wand kommen. Hierzu braucht es gewisse Hänge- oder Trägersysteme. Oft wird dabei mit Holzgestellen gearbeitet, die mit Erde befüllt werden. Durch einen befestigten Gitterdraht kann der Nährboden dann Halt finden.

Eine schicke Variante der Pflanzenwand ist beispielsweise die Fensterrahmen-Optik auf Bild 1. Auch hier kommt die genannte Bauweise zum Einsatz. In unser Anleitung erklären wir dir aber noch einmal genau, wie du bei diesem Projekt Schritt für Schritt vorgehen musst.

Aber auch ein etwas einfach gehaltener Holzkasten kann als vertikale Pflanzenwand funktionieren. Wir zeigen dir hier, wie du die Variante mit Moos (Bild 2) zusammenbaust.

Prüfe vor dem Anbringen der Trägervorrichtungen unbedingt, dass deine Wand auch das Gewicht der hängenden Pflanzen tragen kann. Zusammen mit feuchter Erde können hier ein paar Kilo pro Quadratmeter zusammenkommen. Außerdem müssen natürlich wieder die oben genannten Anforderungen erfüllt sein, wenn du dich auf die Suche nach einem geeigneten Platz machst.

Solltest du keine geeignete Wand finden, musst du dich nicht von der Idee einer Pflanzenwand  im eigenen Heim verabschieden: Aus Paletten lässt sich ganz einfach eine Art Sichtschutz bauen, der sich wunderbar zum Begrünen eignet (Bild 3). Hier erfährst du alles Weitere zu diesem Projekt.

Wenn deine Pflanzenwand erstmal hängt (oder steht), kommt es natürlich noch auf die richtige Pflege an. Die größte Herausforderung ist dabei sicherlich das Gießen. Feuchte Wände und Schimmelbildung sind generell nie auszuschließen, wenn deine gewählten Pflanzen regelmäßig Wasser benötigen. Daher gilt es bei der Pflanzenwahl unbedingt darauf zu achten, Gewächse zu wählen, die mit wenig Wasser auskommen. Dann kann man auch mit vorsichtigem Gießen (gegebenenfalls beim Abhängen in horizontaler Position) oder Befeuchten mit einer Sprühflasche gut zurechtkommen.

Möchtest du allerdings Pflanzen an deiner Wand haben, die normal gegossen werden müssen, führt kaum ein Weg um eine Bewässerungsanlage vorbei. Bei entsprechenden Profi-Systemen werden dünne Schläuche verlegt, aus denen die gewünschte Menge an Wasser tröpfelt. Voraussetzung für so ein System ist jedoch ein passender Wasseranschluss in der Nähe der Pflanzenwand. Alternativ gibt es noch Systeme mit Wassertanks. Solltest du so eine Installation in Erwägung ziehen, ist es sicherlich hilfreich, sich mit einem Profi im Bau- oder Gartencenter auszutauschen.

Die weitere Pflege – abgesehen vom Gießen – kommt dann ganz auf die gewählten Pflanzenarten und ihre Eigenschaften an.

Wandgarten

An einer Backsteinwand ist ein Wandgarten aus einem Gitter und mehreren Töpfen angebracht.
An einer Wand hängen Suppenkellen, die mit Erde und Pflanzen befüllt sind.
Auf einem Balkon steht eine Sitzbank. An der Lehne hängen kleine Töpfe.
An einer Backsteinwand hängen drei weiße Regenrinnen, die als Blumenkästen umfunktioniert wurden.
An einer Backsteinwand hängt ein selbstgebauter Blumenkasten, der gleichzeitig als Türschild funktioniert.

Als dritte Option in der Welt der bepflanzten Wände gibt es noch den Wandgarten. Dies ist sicherlich die einfachste Möglichkeit, Pflanzen oder in diesem Fall auch Blumen in vertikaler Form an die Wand zu bringen. Anders als bei der Wandbegrünung oder den Pflanzenwänden, gibt es dabei nämlich relativ wenig zu beachten. Warum? Weil bei einem Wandgarten die Gewächse wie gewohnt in Töpfen oder Blumenkästen „stehen“ – es geht lediglich darum, wie diese an der Wand befestigt sind. Das schöne: Es gibt unzählige Varianten und viele kreative Ideen. Wir wollen dich ein bisschen inspirieren und dir erklären, wie du verschiedene Gestaltungsideen umsetzen kannst.

Ein vertikaler Garten ist genau das Richtige, wenn du Blumen und Pflanzen liebst, aber einfach zu wenig Platz hast. Sei es auf dem Balkon, einer kleinen Terrasse oder in einem kleinen Garten. Die Bepflanzung 2.0 nimmt nämlich kaum Platz weg und ist in den meisten Fällen sogar ziemlich einfach nachgebaut. Als Grundlage kann in vielen Fällen meist schon ein einfaches Drahtgitter dienen. Das lässt sich einfach an die Wand schrauben und funktioniert perfekt als Halterung für beispielsweise schicke Glastöpfe  (Bild 1). Wer es noch ein bisschen kreativer mag, kann an das Gitter auch Suppenkellen hängen (Bild 2). Auch darin ist genug Platz für ein bisschen Erde samt Mini-Pflanze.

Manche Holzmöbel eignen sich ebenfalls sehr gut als Vorrichtung für Wandgärten. Bei vielen Balkon-Möbeln gibt es bereits Querlatten, Ablageflächen oder Harken, an denen sich wunderbar kleine Gefäße oder Töpfe befestigen lassen (Bild 3). So kannst du sogar ganz einfach einen vertikalen Kräutergarten zusammenstellen.

Du legst Wert auf Nachhaltigkeit und stehst auf Upcycling-Projekte? Auch hier gibt es kreative Wandgarten-Ideen: Zum Beispiel lässt sich eine Dachrinne zweckentfremden (Bild 4). Durch ihre Form und leichten Aufhängungsmöglichkeiten bietet sie Platz für verschiedene Kräuter, Wildblumen oder sogar Salat. Wie du bei diesem Projekt genau vorgehst, erklären wir dir hier.

Und wenn deine Gäste direkt mit einem kleinen Wandgarten begrüßt werden sollen, ist dieses kreative Projekte das richtige für dich: Das Türschild zum Bepflanzen (Bild 5). Bei dieser Idee platzierst du deinen Namen oder die Hausnummer nicht nur sichtbar neben der Tür, sondern schaffst zusätzlich einen schnuckeligen Mini-Garten. In unserer Anleitung zeigen wir dir, wie du das Türschild aus nur wenigen Materialien ganz einfach nachbauen kannst.

Du merkst: Beim Thema Wandgarten kommt es weniger auf deine Fähigkeiten als Gärtner an, sondern mehr auf kreative Ideen zur Umsetzung. Daher lassen sich an dieser Stelle auch keine allgemeinen Tipps zur Pflege des vertikalen Gartens geben. Hier musst du dich ganz genau erkundigen, was deine eingesetzten Pflanzen so benötigen: Lichtbedingungen, Temperatur, Wassermenge und so weiter.

Wenn du dich jetzt gerade schon nach Wänden umschaust, die du – auf welche Art und Weise auch immer – begrünen möchtest, wünschen wir viel Spaß beim Verdienen des grünen Daumens.