Werkzeuge für Heim & Garten

Schalldämmung für deine Wand – Anleitung und Experten-Tipps

Dämmmaterial wird auf eine Wand aufgebracht.
Mit einer nachträglichen Schalldämmung deiner Wände sorgst du für mehr Ruhe im eigenen Zuhause.

  • Schwierigkeit
    Schwer
  • Kosten
    45 EUR/m²
  • Dauer
    0,5 Tag

Einleitung

Wenn du eine hellhörige Wohnung hast, kennst du das Problem: Lärm dringt von der Nachbarwohnung zu dir herüber und macht entspannte Momente zuhause unmöglich. Lärmbelästigung ist die mit Abstand häufigste Ursache für Streitigkeiten zwischen Nachbarn. Darüber hinaus kann Lärm gesundheitliche Probleme wie z. B. Stressreaktionen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Schlafstörungen verursachen. Du kannst aber innerhalb deiner vier Wände selbst für eine adäquate Geräuschdämmung sorgen.

Wie laut darf mein Nachbar sein?

Tatsächlich legt der Gesetzgeber keine genaue Dezibelzahl für eine maximale Zimmerlautstärke fest. Als Richtlinie dient jedoch ein Urteil des Landgerichts Kleve. Demzufolge dürfen Geräusche aus der Nachbarwohnung tagsüber nicht lauter als 40 dB und während der Ruhezeiten nicht lauter als 30 dB sein.

Für Ruhezeiten gilt allgemein:

  • Sonn- und Feiertage: ganztägig
  • Mittagsruhe: 13–15 Uhr
  • Nachtruhe: 22–6 Uhr

Genaue Auskunft über die Ruhezeiten an deinem Wohnort erteilt deine Stadt- oder Gemeindeverwaltung. Für gewisse Aktivitäten treffen die Ruhezeiten nicht zu. Hierzu zählen „sozialadäquate Tätigkeiten“ wie z. B. Konversationen und Körperhygiene. Auch Hundegebell und Kinderlärm werden nicht direkt als Ruhestörung gewertet. Bei unzumutbarer, andauernder Beeinträchtigung gibt es jedoch Möglichkeiten, gegen Lärm vorzugehen.

Welche Rolle spielt die DIN 4109 bei der Schalldämmung einer Wand?

Die DIN 4109 befasst sich mit der Geräuschdämmung in „schutzbedürftigen Räumen“. Dazu zählen Räume, die für längere Aufenthalte gedacht sind, wie z. B. Wohn- und Schlafzimmer, aber auch Büro- und Unterrichtsräume. Die Zielsetzung des „Mindestschallschutzes“ lautet, Menschen in schutzbedürftigen Räumen vor einer Belästigung durch Schallübertragung zu bewahren und „zufriedenstellende Nachtruhe-, Freizeit- und Arbeitsbedingungen” zu gewährleisten. Diese Ziele gelten unter Grundlage eines Grundgeräuschpegels von LAF,eq = 25 dB als erreicht.

Alle Zahlen mal außen vorgelassen – wenn dich Nachbarschafts- oder Straßenlärm auf Dauer stark einschränkt, kannst du davon ausgehen, dass deine Wohnung nicht ausreichend gegen Schall geschützt ist. Die DIN 4109 greift jedoch nur bei Neubauten, und Vermieter von Altbauten sind nicht immer zur Nachbesserung verpflichtet. Welches Recht dir in deiner Situation zusteht, erfährst du vom Anwalt, zur ersten Orientierung reicht aber vielleicht auch ein Online-Mietrechtslexikon.

Wie messe ich Lärm?

Ob du einer Lärmbelästigung ausgesetzt bist, oder ob eine nachträgliche Schalldämmung der Wände oder Decken notwendig ist, findest du mit einem Schallpegelmessgerät heraus. Damit lassen sich sowohl Trittschall als auch Luft- bzw. Körperschall messen, und du erhältst ein genaueres Bild der Lärmsituation. So kannst du auch im Nachgang überprüfen, um wie viel Dezibel deine Schallisolierung den Lärm deines Nachbarn mindert.

Sobald du dich in deiner Ruhe und Erholung gravierend durch Lärm gestört fühlst, lohnt sich eine Geräuschdämmung auf jeden Fall. Meist kannst du mit einfachen Mitteln schon eine erhebliche Besserung erzielen. In diesem Tutorial erfährst du, wie du deine Wand auch noch nachträglich mit passendem Schallschutz ausstattest, um dein Zuhause ungestört genießen zu können.

 

Du brauchst
  • Dämmmaterial (bevorzugt Steinwolle o. ä. Schalldämmmaterial)
  • Gipskartonplatten
  • UW-Deckenprofile
  • CW-Deckenprofile
  • (optional) Profilverbinder für CW-Profile
  • Dichtungsband
  • Drehstiftdübel
  • Trockenbauschrauben
  • Spachtelmasse
  • Grundierung
L: Länge, B: Breite, H: Höhe, D: Durchmesser

Planung

Schallisolierung ist mittlerweile eines der wichtigsten Themen, wenn es um Neubau geht. Doch mit ein wenig Aufwand lässt sich auch im Nachhinein eine große Lärmminderung erzielen. Ein nachträglicher Schallschutz in deiner Wohnung schont nicht nur die Nerven, sondern auch deine Gesundheit.

Falls dich im Detail interessiert, wie Schall entsteht, wie Schallschutz zwischen Wohnungen dabei Abhilfe schafft und welche Risiken eine andauernde Lärmbelästigung mit sich bringt, findest du viele nützliche Informationen dazu in unserem DIY-Projekt zur Schalldämmung der Decke.

Tipp
Tipp
Du benötigst noch zusätzlichen Stauraum in deiner Wohnung? Wie wäre es mit einer Ablagefläche, die sich mithilfe einer Schiebetür einfach verstecken lässt? Während du über die Lärmdämmung deiner Wände nachdenkst, findet sich gewiss eine geeignete Ecke. Schau doch in unserem DIY-Projekt zum Selberbauen von Schiebetüren vorbei, vielleicht ist dies schon dein nächstes Projekt.
 

Materialliste

Für eine akustische Entkopplung der Wand benötigst du zwingend eine Vorsatzschale. Dafür bieten sich UW- und CW- Profile an, die auch in Sets erhältlich sind. Als Dämmmaterial empfehlen wir dir Steinwolle: Sie zeichnet sich durch eine besonders hohe Dichte aus, die den Schall gut absorbiert. Du schneidest sie am besten mit einem Dämmstoffmesser. Alternativen sind Glaswolle, Schaumstoffe oder auch natürliche Varianten aus Hanf, Holzfasern und Kork.

Die Kosten der Wand-Schalldämmung richten sich nach der Quadratmeterzahl. Damit du einen Anhaltspunkt für deine Projektkosten hast und im Baumarkt nicht lange überlegen musst, haben wir dir eine Materialliste zur Orientierung zusammengestellt:

                                                

Material 

Glaswolle    2–5 EUR/m²
Steinwolle   2–5 EUR/m²
Holzfaser  2–4 EUR/m²
Gipskartonplatte  4–7 EUR/laufender Meter
UW-Profil  1,50–3 EUR/laufender Meter
CW-Profil  2,50–3,50 EUR/laufender Meter
Profilverbinder für CW-Profil (optional)  0,50 EUR/Stk.
Dichtungsband   0,25 EUR/laufender Meter
Drehstiftdübel 6 EUR/50 Stk.
Trockenbauschrauben  10–13 EUR/250 Stk.
Spachtelmasse   1,50–2 EUR/kg
Grundierung    7–8 EUR/l

 

Tipp
Tipp
Die passende Stärke der Dämmplatten ist entscheidend für den Erfolg deines Projekts. Wir empfehlen dir, mindestens 40 mm dicke Platten zu verwenden. Achte auch darauf, dass du die Platten nicht zu sehr komprimierst, da ihre schalldämmenden Eigenschaften sonst verloren gehen.

Los geht’s – Schritt für Schritt

Achte bei der Schallisolierung deiner Wand darauf, dass du angemessene Arbeitsschutzkleidung trägst und alle Materialien und Werkzeuge griffbereit sind. Weitere Informationen zum Arbeitsschutz findest du in unseren Erläuterungen zu Schutzvorkehrungen beim Heimwerken.

Schritt 1 8

Wand auf die Schallisolierung vorbereiten

Eine gründliche Planung ist wie immer entscheidend für das Gelingen deines DIY-Projekts. Du benötigst eine Vorsatzschale, die vollkommen von der Massivwand entkoppelt werden muss. Erstelle dir daher eine genaue Zeichnung und berücksichtige auch die Stärke der Schalldämmplatten und der Vorsatzschale.

Schritt 2 8

Schalldämmplatten anbringen

Bringe nun die Schalldämmplatten an deine Wand an. Starte dabei in einer der unteren Ecken und arbeite dich der Reihe nach vor. Zur Befestigung kannst du entweder Leichtmörtel oder, falls du es dir etwas leichter machen willst, auch Klebesets aus Dichtungsband verwenden. Für das Zuschneiden der Dämmplatten nimmst du am besten eine Säbelsäge. Als Faustregel gilt hierbei: lieber zwei mittelgroße Stücke nutzen als ein großes und ein kleines.

Schritt 3 8

Die Vorsatzschale planen

Nachdem du die Dämmplatten angebracht hast, kannst du mit dem Vermessen und Anzeichnen der Vorsatzschale beginnen. Zwischen Vorsatzschale und Wand solltest du einen Abstand von 2 bis 3 cm einhalten. Die Vermeidung eines direkten Kontakts zur Wand ist ein absolutes Muss für eine erfolgreiche akustische Entkopplung. Nutze am besten eine Wasserwaage, um einen gleichmäßigen und vor allem geraden Abstand zu erhalten. Falls du dir schon Gedanken machst, wie du im nächsten Schritt die Profile anbringen sollst, haben wir ein Tutorial zum Bohren von Löchern in Betonwände für dich vorbereitet.

Schritt 4 8

Profile für Rahmen anbringen

Im nächsten Schritt musst du die Vorsatzschale von den übrigen Wänden, der Decke und dem Boden entkoppeln. Für Decke und Boden nutzt du am besten UW-Profile, für Wände CW-Profile. Beklebe die Rückseite deiner Profile mit Dichtungsband, um Schallübertragungen zu verhindern, und verschraube diese mit passenden Schrauben und Dübeln. Wie du herausfindest, welche Schrauben und Dübel für deine Wand optimal geeignet sind, erfährst du in unserem Tutorial zur Bestimmung von Wandmaterial. Zum Zuschneiden deiner Profile empfehlen wir dir eine Blechschere.

Schritt 5 8

Wandprofile in Rahmen einstellen

Nun kannst du die Wandprofile senkrecht in den Rahmen einstellen. Den Abstand zwischen den Profilen solltest du den Maßen deiner Gipskartonplatten anpassen. Positioniere die Profile so, dass du je eine halbe Gipskartonplatte rechts und links an den Profilen verschrauben kannst.

Schritt 6 8

Mit Gipskartonplatten verkleiden

Verschraube die Gipskartonplatten mit deinen Profilen. Achte darauf, dass du die Platten immer mit einem Fugenversatz montierst. Starte dafür in der untersten Reihe mit einer halben Platte, in der darüber mit einer ganzen und fahre immer im Wechsel weiter so fort. Die Platten sollten Decke, Boden und Wände nicht berühren, weshalb wir dir einen Abstand von ca. 10 mm zum Boden und ca. 5 mm zu Wänden und Decke empfehlen.

Tipp
Tipp
Gipskartonplatten schneidest du am besten mit einem Cuttermesser zurecht. Schneide sie auf der Sichtseite ein. Danach kannst du sie über einer harten Kante brechen und mit dem Cuttermesser auch auf der anderen Seite durchtrennen. Die Kanten lassen sich anschließend gut mit einem Kantenhobel bearbeiten.
 
Schritt 7 8

Fugen verspachteln und Wandanschlüsse abdichten

Verschließe Fugen und Schraubenlöcher zunächst mit Spachtelmasse und schleife nach dem Trocknen ggf. Unebenheiten ab. Die Fugen an den Wandanschlüssen neigen dazu, nach dem Austrocknen zu reißen. An diesen Stellen kannst du eine elastische Dichtmasse zum Abdichten verwenden.

Schritt 8 8

Grundieren und streichen

Da sich Gipskartonplatten häufig mit Farbe vollsaugen, solltest du sie zunächst grundieren, und dann kannst du deine neue Schallschutzwand auch schon streichen. In unseren 15 Tipps zum Streichen von Wänden verraten wir dir, wie du deiner neuen Wand meisterhaft Farbe verleihst. Auch unser Artikel zum Farbsprühsystem könnte dich interessieren. Wir erklären dir außerdem, wie die Wandgestaltung mit Mustern funktioniert und wie du deinem Schlafzimmer ein Make-over in trendigem Grau verpasst.

Gratulation! Dank des Schallschutzes deiner Wand kannst du dich jetzt ohne nervigen Lärm zurücklehnen und entspannen. Falls aber noch Lärm der Nachbarn durch die Decke dringt, haben wir schon das nächste Projekt für dich – siehe unsere DIY-Anleitung zur Schalldämmung deiner Decke, damit du auch diese Herausforderung erfolgreich meistern kannst.

Tipps zur Schallisolierung mit wenig Aufwand

Die Schallisolierung von Wand oder Decke ist nicht immer mit viel Aufwand verbunden. Gerade bei geringer Lärmbelastung bieten sich ein paar einfache Mittel an, um einen hörbaren – oder in diesem Fall nicht hörbaren – Effekt zu erzielen.

Straßenlärm dringt durch deine Fenster in die Wohnung? Verwende zur Abschirmung Vorhänge aus dichtem Material, zum Beispiel aus Filz. Der Stoff hält nicht nur ungewollte Geräusche ab, sondern dient auch gleich als stylisches Deko-Element. Weitere individuelle Gestaltungsideen findest du in diesem Artikel für mehr Farbe im Wohnzimmer.

Pflanzen helfen besonders bei Luftschall. Durch die Blätter wird der Schall abgefangen und stark gedämmt – ein Phänomen, das man auch aus dem Wald kennt. Wusstest du eigentlich, dass Pflanzen nicht nur für eine reine Luft zuständig sind, sondern auch Stress mindern und sich positiv auf deine allgemeine Gesundheit auswirken? Es bringt daher nur Vorteile, dein Heim in eine grüne Idylle zu verwandeln. Falls du nicht mit einem grünen Daumen gesegnet bist, solltest du auf besonders robuste und wenig pflegeintensive Pflanzenarten zurückgreifen.

Durch sogenannte Akustikbilder, die deinen Wohnraum nicht nur künstlerisch bereichern, sondern durch ihre speziellen schalldämmenden Eigenschaften auch ein wenig Lärm abfangen, lassen sich auf einfache Art und Weise erstaunliche Ergebnisse erzielen. Mit unserem Tutorial zum Aufhängen von Bildern an Betonwänden bringst du sie im Handumdrehen an.

Ein besonderer Tipp für Balkon- oder Gartenbesitzer: Ein Sichtschutz bietet nicht nur ein bisschen mehr Privatsphäre, er isoliert auch gegen Schall. In unseren Tutorials für einen selbstgebauten Sichtschutz aus Paletten oder einen Sichtschutz aus Holz zum Selberbauen findest du neben einer detaillierten Anleitung auch noch schöne Tipps zum Dekorieren.

Die einfachste Methode der Geräuschdämmung ist und bleibt jedoch das Gespräch mit dem Nachbarn. So lässt sich meist eine diplomatische Lösung finden, um die Harmonie im Haus wieder herzustellen.

Du bist auf der Suche nach weiterer Inspiration für Wohn- und Schlafzimmer? Zahlreiche Projekte warten nur darauf, von dir entdeckt zu werden. Von Möbeln bis hin zur Beleuchtung – mit unseren DIY-Wohntrends & Wohnideen nimmst du die Gestaltung deiner Wohnung selbst in die Hand. Schau doch auch auf unserem YouTube-Kanal vorbei, wo du Video-Tutorials für DIY-Projekte rund ums Wohnzimmer findest.